Relative und optimale Luftfeuchtigkeit erklärt

relative und optimale Luftfeuchtigkeit

Zu Hause leben wir. Wir toben und entspannen, heizen und lüften, feiern, kochen und waschen. Mit unseren Aktivitäten beeinflussen wir stark das Raumklima – und dieses wiederum beeinflusst Gesundheit und Wohlbefinden. Ein gesundes Raumklima ergibt sich im Wesentlichen aus dem Zusammenspiel von Wohlfühltemperatur und optimaler Luftfeuchtigkeit. 

Die Suche nach der idealen Luftfeuchte ist eine echte Gradwanderung: zu trockene Luft ist nicht gesund und zu viel Feuchtigkeit in der Wohnung begünstigt die Schimmelbildung. Doch welche Werte gelten eigentlich als in Ordnung? Und was bedeutet gleich nochmal „relative Luftfeuchtigkeit“? Hier erfahren Sie alles, was Sie zum dem Thema wissen müssen.

Was bedeutet eigentlich “Raumklima”?

In geschlossenen Räumen gibt es verschiedene Faktoren, die maßgeblich Einfluss auf die Lebensqualität der Bewohner haben können. Gemeinsam bilden Sie das Raumklima, welches insbesondere durch die Raumtemperatur und  Luftfeuchtigkeit bestimmt wird. Darüber hinaus gibt es weitere Faktoren, die eine Rolle spielen. Dazu zählen beispielsweise:

  • Luftqualität und Schadstoffbelastung
  • Gerüche bzw. Geruchsbelästigung
  • Sonneneinstrahlung bzw. Beleuchtung und die damit verbundene Helligkeit
  • abweichende Oberflächentemperaturen von z.B. Wänden
  • sowie Luftzug

Die Zauberformel für ein perfektes Klima könnte also heißen: Wohlfühltemperatur + optimale Luftfeuchte + gute Luftqualität.

Bei der Raumtemperatur, die abhängig von Außentemperatur, Sonneneinstrahlung und Heizverhalten ist, sind Abweichungen vom Optimum leicht zu erkennen. Der Grund: Temperaturen sind direkt spürbar. Luftfeuchtigkeit hingegen können wir, wenn sie keine Extremwerte annimmt, nicht direkt fühlen. Dennoch spielt sie eine wichtige Rolle. Zu trockene oder zu feuchte Luft kann gesundheitliche Beschwerden verursachen und das Wohlbefinden stark beeinträchtigen. Da die Ursache der Symptome allerdings meist erstmal nicht mit einer suboptimalen Luftfeuchte in Verbindung gebracht wird, leiden Betroffene oft lange unter den Auswirkungen von schlechtem Raumklima.

Es ist daher wichtig gute Werte einzuhalten und die relative Luftfeuchtigkeit gegebenenfalls mittels eines Hygrometers zu überprüfen. Doch was bedeutet „relativ“ und “optimal” überhaupt in dem Zusammenhang?

Absolute und relative Luftfeuchtigkeit

Unter Luftfeuchtigkeit versteht man den Anteil an Wasserdampf in der Luft. Es wird dabei zwischen absoluter und relativer Luftfeuchte unterschieden, wobei Letzteres das geläufige Maß ist. Die ideale relative Luftfeuchtigkeit ist von Raum zu Raum verschieden.

Als absolute Luftfeuchtigkeit (fabsolut) wird die tatsächliche Masse an Wasserdampf in der Luft bezeichnet – die Einheit ist Gramm pro Kubikmeter. Da die Kapazität der Luft Wasserdampf aufzunehmen jedoch stark temperaturabhängig ist, wird die absolute Luftfeuchtigkeit nicht als allgemeines Maß verwendet. Der Grund: die Werte ließen sich nicht miteinander vergleichen.

Stattdessen bedient man sich der relativen Luftfeuchtigkeit (frelativ). Sie bezeichnet das Verhältnis zwischen absoluter und maximal möglicher Luftfeuchtigkeit (fmax). Da absolute und maximale Luftfeuchte die gleiche Einheit besitzen, ergibt sich daraus eine dimensionslose Größe. Die relative Luftfeuchte wird der Einfachheit halber in Prozent angegeben. 100 % würde also bedeuten, dass die Luft mit Wasserdampf gesättigt wäre.

frelativ = [ fabsolut/fmax ] x 100%

 

Warme Luft kann weit mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Das bedeutet: mit steigender Temperatur sinkt (bei gleichzeitig konstanter Wasserdampfmenge) die relative Luftfeuchtigkeit und umgekehrt. Genau aus diesem Grund haben wir oft insbesondere im Winter innerhalb der Wohnung mit zu trockener Luft zu kämpfen: starkes Heizen führt zu hohen Temperaturen in den Räumen.

Optimale Luftfeuchtigkeit

Als optimal gilt eine relative Luftfeuchtigkeit von etwa 50 %, wobei eine Abweichung von +/- 10 % absolut in Ordnung ist. In diesem Bereich fühlt sich unser Organismus am wohlsten und es gibt keine negativen Auswirkungen auf Gemüt und Gesundheit. Allerdings ist es gar nicht so selbstverständlich diesen Idealwert konstant zu halten. Außenklima, menschliche Gewohnheiten in den Räumen sowie die Qualität der Bausubstanz – das alles sind Aspekte, die den Feuchtigkeitsgehalt in geschlossenen Räumen beeinflussen. So kämpfen viele Haushalte zeitweise mit zu trockener oder zu feuchter Luft.

  • Langfristig zu trockene Luft (< 40%) führt zur Austrocknung von Haut- und Schleimhäuten, Erkältung und Kopfschmerzen. Dieses Problem begegnet uns überwiegend in den kalten Wintermonaten, wo die Räume in vielen Haushalten überheizt werden. Hinzu kommt, dass die Außenluft im Winter generell trockener ist als im Sommer, was mit der fehlenden Vegetation zusammenhängt.
  • Zu feuchte Luft hingegen (> 60%) kann auf Dauer zu Schimmelbildung führen, was ebenfalls gesundheitliche Probleme mit sich zieht. Falsches Lüftungsverhalten oder Baumängel sind häufige Ursachen.

Das ideale Raumklima ist abhängig von der Räumlichkeit

Duschen, Arbeiten, Kochen, Schlafen… unsere Aktivitäten variieren zwischen den einzelnen Zimmern. Aus diesem Grund ist auch die optimale Luftfeuchtigkeit von Raum zu Raum etwas unterschiedlich.

  • Im Wohn- und Arbeitszimmern liegt diese zwischen 40 % und maximal 60 %. Das gilt auch für Büros außerhalb den eigenen vier Wänden.
  • Im Badezimmer ist der Feuchtigkeitsgehalt durch warmes Duschen und Baden in der Regel höher, als in anderen Räumen. Eine relative Luftfeuchte bis hin zu 70 % ist daher vollkommen in Ordnung. Allerdings sollte die Raumtemperatur etwas höher liegen, damit die Luft mehr Wasser speichern kann und die Feuchtigkeit den Grenzwert nicht längerfristig überschreitet. Stellen Sie die Heizung daher gerne auf 23 °C. Außerdem ist regelmäßiges Lüften Pflicht, damit überschüssiger Wasserdampf nicht zur Schimmelbildung führt.
  • Auch in der Küche ist die Luft meistens etwas feuchter, da durch Kochen, Backen und Spülen ebenfalls viel Wasserdampf entsteht. Werte zwischen 50 % und 65 % sind im grünen Bereich.
  • Für das Schlafzimmer gelten Werte zwischen 40 % und 60 % als beispielhaft. Falls Sie mit geschlossenem Fenster schlafen, sollte sich der Wert jedoch im unteren Bereich befinden, da Sie nachts über die Atmung viel Wasserdampf an die Umgebung abgeben. Je mehr Menschen in einem Raum schlafen und je kleiner dieser ist, desto mehr Feuchtigkeit reichert sich über Nacht an. Das können Sie am Morgen gut anhand von beschlagenen Fenstern erkennen. Für ein günstiges Raumklima liegt die Temperatur im Schlafzimmer niedriger, als im Rest der Wohnung – etwa 18 °C sind perfekt!
  • Der Keller ist der kälteste Ort im Haus und insbesondere alte Gebäude haben hier häufig mit zu hoher Luftfeuchtigkeit zu kämpfen. Ideal wären hier Werte bis 65 %.