Luftverschmutzung durch Industrie

Luftverschmutzung durch Industrie

Weltweit verpesten Industrieanlagen und Kohlekraftwerke die Luft. Das gilt auch für Deutschland. Zu den Schadstoffen, die durch industrielle Anlagen ausgestoßen werden, zählen unter anderem Schwefeldioxid, Kohlendioxid und Feinstaub. Das macht krank und schadet der Umwelt.

Sie verspüren Lust auf frische Luft? Das ist leider gar nicht so einfach – denn tagtäglich werden jede Menge Schadstoffe in die Luft gepumpt, die wir über unsere Lungen einatmen. Allein in der EU verursacht Luftverschmutzung jährliche Schäden in Milliardenhöhe. Für die Hälfte der Kosten ist laut Europäischer Umweltagentur die Industrie verantwortlich[1]. Jedoch ist das nicht nur teuer, sondern auch ausgesprochen schädlich für Umwelt, Klima und Gesundheit.

Wie trägt die Industrie zur Luftverschmutzung bei?

Luftverschmutzung geschieht allgemein durch die Emission von Schadstoffen aus verschiedenen Sektoren. Neben Verkehr und Landwirtschaft, spielt die Industrie eine wesentliche Rolle. Dabei erreicht Deutschland eine fragwürdige Spitzenposition in Europa. Der Grund dafür ist die Größe der Industrieanlagen und Kohlekraftwerke hierzulande[2].

Industrie beinhaltet verschiedene Zweige. Diese können grob unterteilt werden, z.B. in

  • Schwerindustrie (Grundstoffindustrie, z.B. Bergbau und Stahl)
  • Leichtindustrie (i.A. Konsumgüter)
  • chemische Industrie (z.B. Pharma- und Düngemittel)

Kohlekraftwerke werden in der Regel nicht direkt zur Industrie gezählt, sondern gesondert betrachtet. Der Einfluss dieser auf die Luftqualität ist jedoch enorm und wird daher weiter unten näher erläutert.

Weshalb trägt die Industrie so stark zur Luftverschmutzung bei? Der Hauptgrund ist ihr enorm hoher Energiebedarf. Häufig werden dafür sogar eigene Kraftwerke betrieben. Hinzu kommen direkt emittierende Prozesse verschiedener Industriezweige, beispielsweise Röstprozesse in der Metallurgie oder Kohleveredelung.

Die Industrie im Allgemeinen ist insbesondere für folgende Emissionen verantwortlich[3]: 

Hinzu kommen noch Stickoxide, flüchtige Kohlenwasserstoffe sowie Schwermetalle wie Quecksilber und Cadmium. Das höchst toxische Quecksilber, verbreitet sich allerdings eher über Boden und Wasser, als über die Luft. Es entsteht durch Emissionen bei Verbrennungsprozessen, z.B. in Kohlekraftwerken. Darüber hinaus kommt es durch die Verarbeitung von Quecksilber in bestimmten Industriebereichen zu weiteren Belastungen – beispielsweise bei der Metallverarbeitung oder Herstellung von Farben, Batterien und Papier.

Umweltverschmutzung durch Kohlekraftwerke

Kohle – sowohl Braun- als auch Steinkohle – gehört nach wie vor zu den wichtigsten Rohstoffen für die Stromerzeugung in Deutschland und weltweit. Das ist problematisch in vielerlei Hinsicht. Die Verfeuerung fossiler Brennstoffe ist schlecht für das Klima und der Kohletagebau zerstört Landschaft und Ökosysteme. Aber nicht nur das – denn Kohlekraftwerke sind wahre Dreckschleudern! Neben Treibhausgasen, setzen sie viele andere gefährliche Schadstoffe frei: Feinstaub, Schwefeldioxid, Stickoxide und Schwermetalle.

Laut einer Greenpeace Studie, führten die Emissionen deutscher Kohlekraftwerke im Jahr 2010 zu über 3000 frühzeitiger Todesfälle[5]. Das ist nicht nur dramatisch für die Betroffenen, sondern auch teuer: Kohlekraft belastet auf diese Weise das deutsche Gesundheitssystem mit zusätzlich 6 Milliarden Euro pro Jahr!

Die Folgen industrieller Luftverschmutzung 

Luftverschmutzung durch Industrie und Kohlekraft schadet in vielerlei Hinsicht. Es beeinträchtigt unsere Gesundheit, gefährdet Klima und Ökosysteme und kostet darüber hinaus jede Menge Geld.

Feinstaub

Feinstaub (particulate matter, PM) existiert in drei Fraktionen, die in ihrer Größe von 10 µm (PM10) bis hin zu 0.1 µm (PM0.1) variieren. Größere Partikel setzen sich in der Nasenschleimhaut und im Lungengewebe fest, wo sie das Gewebe schädigen und Entzündungen hervorrufen. Ultra-feine Schwebstoffe dringen hingegen tief in die Lungenbläschen ein und gelangen von dort zum Teil sogar in den Blutkreislauf. Auf diese Weise verteilen sich die  Fremdstoffe im ganzen Körper und sorgen dort für reichlich Chaos.

Eine langfristige Feinstaubbelastung kann zu einer Vielzahl an Krankheiten und Symptomen führen. Dazu zählen [6,7]:

  • Asthma
  • Allergie
  • Kopfschmerzen
  • Bronchitis
  • Arteriosklerose
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Krebs

Schwermetalle

Feinstaub aus industriellen Quellen enthält zudem auch Schwermetalle. Besonders nennenswert sind Cadmium und Quecksilber. Sie sind im höchsten Maße toxisch für Umwelt und Mensch. Cadmium gilt als krebserregend und Quecksilber ist ein Neurotoxin, was zu Schädigungen im Gehirn und Nervensystem führt.

Schwefeldioxid

Das farblose, giftige Gas reizt Schleimhäute und Augen. Darüber hinaus oxidiert Schwefeldioxid in der Luft weiter zur schwefeliger Säure und Schwefelsäure. In Form von sauren Regen, gelangen diese Substanzen in Böden und Gewässer, wo sie zu Versauerung führen. Diese Art der Umweltverschmutzung stört das ökologische Gleichgewicht.

Kohlendioxid

Die Emission von Kohlendioxid gefährdet zwar nicht direkt unsere Gesundheit, wohl aber das Klima. Als Treibhausgas trägt es zur globalen Erderwärmung bei.

Kosten, die keiner zahlen will

Die industrielle Luftverschmutzung ist nicht nur ungesund und umweltschädlich, sondern auch teuer! Laut Angaben der Europäischen Umweltagentur (EEA), verursachte die Luftverschmutzung in Europa im Jahr 2012 Schäden in Höhe von stolzen 189 Milliarden Euro. Für die Hälfte der Kosten waren allein die Industrie – überwiegend in Deutschland und Osteuropa – verantwortlich[1].

Wie können wir uns schützen?

Die industrielle Revolution führte nicht nur zu einem Aufschwung der Wirtschaft, sondern auch der Schadstoffemission. Damals gab es weder Schadstoffgrenzwerte noch Katalysatoren- bzw. Filtertechniken. Als Resultat kam es in Ballungsgebieten in ganz Europa regelmäßig zu Smog-Katastrophen mit zahlreichen Todesfällen.

So schlimm wie damals ist es glücklicherweise in Deutschland nicht mehr. Dennoch verpesten auch hier die großen Industrieanlagen und Kraftwerke noch immer die Luft.

Das Problem kann letztendlich nur durch eine strengere Umweltpolitik in Kombination mit einem gesellschaftlichen Wandel erreicht werden. Industrieanlagen wachsen nur deswegen stetig, weil die Nachfrage an Konsumgütern steigt. Weniger Konsum bedeutet folglich auch weniger Schadstoffemission durch die Industrie. An diesem Punkt kann also jeder von uns seinen Teil zu einer Verbesserung der Luftqualität beitragen. Darüber hinaus müssen strengere Emissionsrichtlinien durchgesetzt werden.

Eine weitere wichtige Rolle spielt die Energiewende – das bedeutet weg von der Kohlekraft und hin zu erneuerbaren Energien.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Luftqualität in Deutschland in Ordnung. In Ballungsgebieten übersteigen jedoch auch hier die Schadstoffkonzentrationen zeitweise die EU-Grenzen[6]. In Phasen hoher Luftverschmutzung können Sie die gesundheitliche Belastung minimieren, indem Sie es weitestgehend vermeiden, draußen zu sein. Innerhalb von Räumen kann ein Luftreiniger helfen, die Luft von Schadstoffen zu befreien. 

Auf den Seiten des Rheinischen Instituts für Umweltforschung  oder Umweltbundesamtes, können Sie sich über die aktuelle Schadstoffbelastung in Ihrer Region informieren.