Kann diese neue Bremsscheibe das Feinstaub-Problem lösen?

Schema einer Bremsscheibe

Bosch hat eine neue Bremsscheibe „iDisc“ für PKW vorgestellt, bei der bis zu 90% weniger Abrieb entsteht als bei bisher gängigen Bremsschreiben. Das könnte einen deutlichen Fortschritt im Kampf gegen Feinstaub bedeuten.

Zu hohe Feinstaubkonzentrationen ist eines der Probleme, mit denen sich deutsche Großstädte wie Stuttgart in letzter Zeit regelmäßig befassen müssen. Vor allem jetzt im Winter sorgt das Wetter dafür, dass sich (zu) viel Feinstaub in der der Luft sammelt und die vorgeschriebenen Grenzwerte der EU weit überschritten werden.

Autoabgase sind nur für einen kleinen Teil des Feinstaubs verantwortlich

Als Hauptverursacher gelten landläufig die Autoabgase von Verbrennungsmotoren, seit dem VW-Skandal allen voran der „schmutzige“ Diesel. Betrachtet man die Fakten, stimmt das jedoch nicht. Zumindest nur halb. Fahrzeugemissionen, also was hinten aus unseren Auspüffen herauskommt, sind nur für kleinen Teil des Feinstaubs in der Luft verantwortlich. Das hat sich in Messungen in Stuttgart, der Geburtsstadt des „Feinstaubalarms“, gezeigt.

Abrieb von Reifen, Bremsen und Straßen erzeugt Massen an Feinstaub

Laut einer Untersuchung der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) verursachen Automotoren nur sechs Prozent des Feinstaubs in Innenstädten. Viel schlimmer ist dagegen der Abrieb von Reifen, Bremsen und Straßenbelag und die permanente Aufwirbelung dessen, der über 30 Prozent ausmacht. 15% davon stammen allein von den Bremsen! Beim Feinstaub der Partikelgröße PM10 (bis zehn Mikrometer Durchmesser) machen der Abrieb insgesamt sogar 85% des Problems aus. Bei der Feinstaubsorte PM2,5, also den Staubkörnchen kleiner als 2,5 Mikrometer, wurden seit Jahren keine Überschreitungen der Grenzwerte gemessen. Dieser extreme feine Feinstaub kommt vor allem in Abgasen vor. Durch die fortschrittliche Filtertechnik sind die aktuellen Motoren – zumindest was Feinstaub betrifft – wirklich sauber und besser als ihr Ruf.

Bessere Bremsen und Reifen sind die Lösung – nicht Elektroautos

Der Umstieg auf Elektroautos würde Innenstädten also in Sachen Feinstaub nicht wirklich weiterhelfen. Jedes Auto braucht Bremsen und Reifen und erzeugt damit im Stop-and-Go-Verkehr permanent große Mengen an Feinstaub. Zudem ist der Abrieb von Bremsen und Reifen hochgiftig, er enthält ein Gemisch an Schwermetallen. Die innovative und abriebfeste Bremsscheibe „iDisc“, die Bosch nun im November 2017 vorgestellt hat, könnte einen echten Fortschritt im Kampf saubere Luft in Innenstädten bedeuten.

90% weniger Abrieb durch spezielle Beschichtung der Bremsscheibe

Die neue Bremsscheibe „iDisc“ besteht wie die bisher gängigen Modelle aus Gussmetall, ist jedoch mit einer extra harten Wolfram-Karbid-Schicht umhüllt. Dadurch soll beim Bremsen nicht nur bis zu 90% weniger Abrieb entstehen, sie soll auch doppelt so lange halten und eine bessere Bremswirkung haben. Die „iDisc“ ist dreimal teurer als normale Modelle, jedoch immer noch dreimal günstiger als eine optimale Keramikbremse, die zum Beispiel in Supersportwagen zum Einsatz kommt. Mit zunehmender Stückzahl und Einführung als Serienbausteil soll der Preis der „feinstaub-freundlichen“ Bremsscheibe aber noch deutlich sinken. Der Porsche Cayenne (E3) ist das erste Fahrzeug, in dem die Bremsscheibe optional gegen Aufpreis erhältlich ist.

Ein guter Beitrag zur Senkung der Feinstaubkonzentration

Da allein 15% des Feinstaubs in Innenstädten vom Abrieb der Bremsen verursacht wird, darf man die Wirkung von abriebärmeren Bremsschreiben nicht unterschätzen. Wenn eine Vielzahl an Autos mit dem neuen Bauteil ausgerüstet wird und 90% weniger Abrieb produzieren, würde sich allein dadurch die Luft deutlich verbessern. Wir wären der Lösung der Feinstaub-Problematik ein gutes Stück näher. Hoffen wir, dass die iDisc möglichst bald Standard wird und in vielen Modellen zum Einsatz kommt.

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